Gefunden werden, wenn Kunden die KI fragen: Wie KMU in ChatGPT & Co. auftauchen

Kurz gesagt: Immer mehr Menschen stellen ihre Fragen nicht mehr nur Google, sondern KI-Assistenten wie ChatGPT, Gemini, Copilot oder Perplexity – oder lesen die KI-Zusammenfassung über den Google-Suchergebnissen. Diese Systeme nennen oft nur wenige Anbieter. Damit Ihr Unternehmen dazugehört, braucht es klare, gut strukturierte Inhalte auf Ihrer Website, ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil, einheitliche Firmendaten im Netz, echte Bewertungen und Erwähnungen auf vertrauenswürdigen Seiten. Diesen Ansatz nennt man Generative Engine Optimization, kurz GEO.

„Welcher Elektriker in Pfaffenhofen macht auch Wallboxen?“ – „Welche Steuerkanzlei in Aichach betreut kleine GmbHs?“ – „Welcher Caterer im Raum München liefert für 50 Personen?“

Solche Fragen landen heute nicht mehr ausschließlich in der klassischen Google-Suche. Sie werden immer häufiger direkt an eine künstliche Intelligenz gestellt. Und die antwortet nicht mit zehn blauen Links, sondern mit einer fertigen Empfehlung – manchmal mit drei Namen, manchmal nur mit einem.
Für kleine und mittlere Unternehmen stellt sich damit eine neue, entscheidende Frage: Bin ich einer dieser Namen?

Was sich gerade verändert

Jahrzehntelang lief Online-Sichtbarkeit nach einem bekannten Muster: Wer bei Google weit oben stand, bekam die Klicks. Suchmaschinenoptimierung (SEO) war das Werkzeug dafür.

Heute kommen neue Wege hinzu:

  • KI-Assistenten wie ChatGPT, Microsoft Copilot, Google Gemini oder Perplexity beantworten Fragen im Dialog und empfehlen dabei Anbieter, Produkte und Dienstleistungen.

  • KI-Zusammenfassungen in der Google-Suche fassen die Antwort direkt über den klassischen Ergebnissen zusammen. Viele Nutzer:innen lesen nur noch diese Box.

  • Sprachassistenten und Smartphones greifen zunehmend auf dieselben KI-Modelle zurück.

Das Entscheidende: Die KI trifft eine Vorauswahl. Wer in dieser Vorauswahl nicht vorkommt, wird oft gar nicht mehr wahrgenommen – selbst wenn er fachlich der beste Anbieter wäre.

Klassische SEO GEO (Generative Engine Optimization)
Ziel Gute Platzierung in den Suchergebnissen In KI-Antworten genannt und empfohlen werden
Ergebnis für Nutzer Liste mit Links Zusammengefasste Antwort, oft mit wenigen Namen
Wichtige Faktoren Keywords, Technik, Backlinks Klare Antworten, Vertrauenssignale, Erwähnungen, konsistente Daten
Messbarkeit Rankings, Klicks Schwerer messbar, Tests mit Beispielfragen

Die gute Nachricht: GEO ersetzt SEO nicht, sondern baut darauf auf. Vieles, was für Google gut ist, hilft auch der KI. Wer seine Website schon ordentlich gepflegt hat, startet also nicht bei null.

Wie „entscheidet“ eine KI, wen sie empfiehlt?

Ganz genau lässt sich das nicht sagen – die Anbieter legen ihre Systeme nicht offen, und sie verändern sich laufend. Einige Prinzipien sind aber gut erkennbar:

  1. Die KI greift auf Inhalte aus dem Netz zurück. Viele Assistenten durchsuchen bei aktuellen oder lokalen Fragen das Internet und fassen die gefundenen Informationen zusammen. Was nicht auffindbar ist, kann nicht genannt werden.
  2. Sie bevorzugt klare, verständliche Aussagen. Eine Website, die in einem Satz erklärt, was ein Unternehmen tut, für wen und wo, ist für eine KI leichter zu verwerten als eine Seite voller Werbefloskeln.
  3. Sie sucht nach Bestätigung. Taucht Ihr Unternehmen an mehreren vertrauenswürdigen Stellen mit denselben Informationen auf – Website, Google-Profil, Branchenverzeichnis, Kammer, regionale Presse –, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die KI Sie für relevant und seriös hält.
  4. Sie berücksichtigt Bewertungen und Reputation. Was andere über Sie sagen, fließt in die Einschätzung ein.

Die sieben wichtigsten Hebel für KMU

1. Sagen Sie klar, was Sie tun – für wen und wo

Das klingt banal, ist aber der wichtigste Punkt. Viele Websites von KMU beginnen mit Sätzen wie „Willkommen auf unserer Homepage“ oder „Ihr kompetenter Partner seit 1987“. Daraus kann weder ein Mensch noch eine KI ableiten, was Sie eigentlich anbieten.

Besser: „Die Muster GmbH ist ein Elektrofachbetrieb in Pfaffenhofen a.d. Ilm. Wir installieren Photovoltaikanlagen, Wallboxen und Smart-Home-Lösungen für Privathaushalte und Gewerbe im Landkreis Pfaffenhofen und Umgebung.“

Ein solcher Satz gehört auf die Startseite – gut sichtbar und im normalen Text, nicht nur in einem Bild.

2. Beantworten Sie die Fragen Ihrer Kunden

KI-Systeme werden mit Fragen gefüttert. Also sollten Ihre Inhalte Antworten liefern. Überlegen Sie: Was fragen Kunden Sie am Telefon immer wieder?

  • Was kostet …?
  • Wie lange dauert …?
  • Brauche ich dafür eine Genehmigung?
  • Was ist der Unterschied zwischen … und …?
  • Arbeiten Sie auch in …?

Beantworten Sie diese Fragen auf Ihrer Website, idealerweise in einem FAQ-Bereich oder in Fachartikeln. Starten Sie jede Antwort mit einer kurzen, direkten Aussage und erklären Sie dann ausführlicher. Genau diese kurzen, klaren Absätze werden von KI-Systemen gern aufgegriffen.

3. Pflegen Sie Ihr Google-Unternehmensprofil

Für lokale Fragen ist das Google-Unternehmensprofil einer der wichtigsten Datenlieferanten überhaupt. Achten Sie auf:

  • vollständige und korrekte Kategorien
  • aktuelle Öffnungszeiten, auch an Feiertagen
  • eine aussagekräftige Beschreibung mit Leistungen und Einzugsgebiet
  • echte Fotos von Team, Räumen und Arbeiten
  • regelmäßige Beiträge und Antworten auf Bewertungen

4. Sorgen Sie für einheitliche Firmendaten überall

Name, Adresse, Telefonnummer – in der Fachsprache „NAP-Daten“ – sollten überall identisch sein: auf der Website, im Impressum, bei Google, in Branchenverzeichnissen, bei der IHK oder Handwerkskammer, auf LinkedIn und in Bewertungsportalen.

Wenn die KI an einer Stelle „Muster GmbH, Hauptstraße 5“ und an anderer Stelle „Muster Elektro, Hauptstr. 5a“ findet, entsteht Unsicherheit. Unsicherheit führt dazu, dass Sie seltener genannt werden.

5. Sammeln Sie echte Bewertungen

Bewertungen sind für Menschen und Maschinen ein starkes Vertrauenssignal. Wichtig sind nicht nur die Sterne, sondern auch der Inhalt: Eine Bewertung, in der steht „schnelle Installation der Wallbox in Wolnzach, sauber gearbeitet“, liefert der KI gleich mehrere nützliche Informationen.

Bitten Sie zufriedene Kunden aktiv um eine Bewertung – und antworten Sie auf jede, auch auf kritische. Wie das professionell gelingt, zeigen wir in einem der nächsten Beiträge ausführlich.

6. Werden Sie an vertrauenswürdigen Stellen erwähnt

KI-Systeme gewichten Informationen höher, wenn sie aus mehreren unabhängigen Quellen stammen. Für KMU sind das zum Beispiel:

  • Berichte in der Regionalzeitung oder im Gemeindeblatt
  • Mitgliedschaften in Kammern, Innungen und Verbänden mit Profilseite
  • Partner- und Referenzseiten von Lieferanten oder Kunden
  • Vorträge, Podcasts, Interviews
  • Unternehmernetzwerke mit Mitgliederprofil
  • Branchenportale und gut gepflegte Verzeichnisse

Ein aktives Netzwerk ist hier ein doppelter Gewinn: Es bringt Kontakte und sorgt gleichzeitig für Erwähnungen im Netz. Warum Kooperation für KMU generell ein starker Hebel ist, lesen Sie in Kooperation statt Konkurrenz.

7. Zeigen Sie Menschen und Expertise

Inhalte, hinter denen erkennbar echte Menschen mit Erfahrung stehen, wirken glaubwürdiger – für Kunden und für Systeme, die Qualität bewerten. Zeigen Sie deshalb:

  • wer im Unternehmen arbeitet, mit Namen und Qualifikation
  • wer Fachartikel geschrieben hat
  • konkrete Referenzen und Projektbeispiele
  • Zertifikate, Meistertitel, Auszeichnungen

Wie Inhaber:innen ihre persönliche Sichtbarkeit mit der Unternehmensmarke verbinden, beschreibt unser Artikel Personal Brand und Unternehmensimage verbinden: So profitieren beide Seiten.

Technische Basics – kurz und verständlich

Sie müssen kein Programmierer sein. Aber diese Punkte sollten Sie mit Ihrer Webagentur besprechen:

  • Strukturierte Daten (Schema.org): Kleine Code-Bausteine, die Suchmaschinen und KI maschinenlesbar mitteilen, wer Sie sind, wo Sie sitzen, welche Leistungen Sie anbieten und welche Fragen Ihr FAQ beantwortet.
  • Texte statt Bilder: Wichtige Informationen gehören in echten Text, nicht in Grafiken oder PDFs.

  • Schnelle, mobile Website: Eine langsame oder veraltete Website wird schlechter erfasst.

  • Crawler nicht aussperren: Prüfen Sie, ob Ihre Website Such- und KI-Crawler versehentlich blockiert.
  • Klare Seitenstruktur: Eine eigene Unterseite pro Leistung ist besser als alles auf einer Seite.

Immer wieder liest man auch von der Datei „llms.txt“, die KI-Systemen eine Übersicht über eine Website geben soll. Sie schadet nicht, ist aber derzeit kein etablierter Standard und sollte nicht im Mittelpunkt stehen. Gute Inhalte und Vertrauenssignale sind deutlich wichtiger.

Selbsttest: Wie sichtbar ist Ihr Unternehmen in der KI?

Probieren Sie es aus – es dauert zehn Minuten:

  1. Öffnen Sie zwei oder drei KI-Assistenten, zum Beispiel ChatGPT, Gemini und Copilot.
  2. Stellen Sie Fragen, wie Ihre Kunden sie stellen würden: „Welcher [Branche] in [Ort] ist empfehlenswert für [Leistung]?“
  3. Fragen Sie direkt nach Ihrem Unternehmen: „Was weißt du über [Firmenname] in [Ort]?“
  4. Notieren Sie: Werden Sie genannt? Stimmen die Angaben? Welche Wettbewerber tauchen auf?
  5. Wiederholen Sie den Test alle drei Monate.

Wichtig: Die Antworten können sich von Mal zu Mal unterscheiden. Achten Sie deshalb auf Tendenzen, nicht auf einzelne Ergebnisse. Falsche Angaben – etwa veraltete Adressen oder Leistungen – sind ein wertvoller Hinweis darauf, wo im Netz noch alte Informationen stehen.

Typische Fehler, die KMU unsichtbar machen

  • Die Website wurde seit Jahren nicht aktualisiert.
  • Leistungen werden nur in Stichworten oder Bildern genannt.
  • Das Einzugsgebiet wird nirgends erwähnt.
  • Es gibt verschiedene Firmennamen- oder Adressvarianten im Netz.
  • Bewertungen bleiben unbeantwortet.
  • Es gibt keinerlei Fachinhalte, die Expertise zeigen.
  • Das Google-Unternehmensprofil wurde nie beansprucht.

Ihr 30-Tage-Plan

Woche 1: Selbsttest durchführen, Firmendaten im Netz prüfen und vereinheitlichen.

Woche 2: Google-Unternehmensprofil vollständig pflegen, aktuelle Fotos hochladen.

Woche 3: Startseite überarbeiten – ein klarer Satz zu Leistung, Zielgruppe und Region. Zehn häufige Kundenfragen sammeln und als FAQ beantworten.

Woche 4: Zufriedene Kunden um Bewertungen bitten, auf bestehende Bewertungen antworten, Mitgliedschaften und Verzeichnisse auf aktuelle Profile prüfen.

Danach: Jeden Monat einen Fachbeitrag veröffentlichen, der eine echte Kundenfrage beantwortet.

Fazit: Keine Magie, sondern Klarheit

GEO klingt nach Technik, ist im Kern aber etwas sehr Bodenständiges: Machen Sie es Menschen und Maschinen leicht zu verstehen, wer Sie sind, was Sie können und warum man Ihnen vertrauen kann. Genau darin sind viele KMU eigentlich stark – sie zeigen es nur zu selten im Netz.

Wer jetzt anfängt, verschafft sich einen Vorsprung. Denn noch haben sich die meisten kleinen Betriebe mit diesem Thema kaum beschäftigt. Wie KI Ihnen darüber hinaus im Arbeitsalltag helfen kann, lesen Sie in KI am Steuer, Mensch im Cockpit.

Sichtbarkeit entsteht auch durch Menschen, die über Sie sprechen. Im KMU Netzwerk mit Herz vernetzen sich Unternehmer:innen aus den Regionen Aichach-Friedberg, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen a.d. Ilm, teilen Erfahrungen mit neuen Themen wie KI – und empfehlen sich, oder den passenden Sparringspartner, gegenseitig weiter.

👉 Lernen Sie Unternehmer:innen aus Ihrer Region kennen

Über den Autor

Unternehmercoach im Portrait

Norman Herz

Norman Herz ist Inhaber des KMU Netzwerk mit Herz für Unternehmer:innen. Er sammelte knapp 30 Jahre Berufserfahrung, 21 davon in verschiedensten Tochtergesellschaften des MAN Konzerns, insbesondere in HR-Leitungs-, Prokuristen- und Geschäftsführerpositionen. Als Experte in den Bereichen Personal- und Business-Coaching mit umfangreicher HR- und Managementerfahrung unterstützt er seit vielen Jahren Unternehmer:innen erfolgreich dabei, ihre Unternehmen nachhaltig zu entwickeln und Profitabilität zu steigern. Zudem ist er mit Leidenschaft als ehrenamtlicher Richter sowohl am Arbeitsgericht München als auch am Sozialgericht München tätig.